Dreikönigstagung 2016

  12. Januar 2016
Dreikönigstagung 2016

Die gut besuchte Dreikönigstagung des Medieninstituts des Verbands Schweizer Medien zog rund 300 Branchenvertreterinnen und -vertreter ins World Trade Center in Oerlikon. Hauptthemen der diesjährigen Tagung waren der Service Public, die Zukunft der Werbewirtschaft und die Herausforderungen und Trends der Verlage.

Eröffnet wurde die Tagung durch Othmar Fischlin, Leiter des Medieninstituts. Er begrüsste die anwesenden Medien-, Kommunikations- und Werbevertreter und warf die Frage in den Raum, ob neben all den Investitionen der letzten Jahre in digitale Geschäftsfelder und Kanäle, der Glaubwürdigkeit der Medienmarke genügend Sorge getragen wurde.

Hanspeter Lebrument, Präsident des Verbands Schweizer Medien, proklamierte in seiner Präsidialansprache in  klaren Worten: Die SRG dürfe ihre Macht nicht zu Ungunsten der privaten Medienhäuser ausbauen. Er betonte die Position des Verbands und seiner Mitglieder gegenüber dem geplanten Joint Venture zwischen Swisscom, Ringier und der SRG nochmals deutlich: «Das Joint Venture lehnen wir in der geplanten Form ab.» Dennoch zeige man sich gewillt, weiterhin Gespräche mit der SRG zu führen. Er hoffe, dass der Bundesrat keine Umsetzung des Joint Venture bewilligt, bis der VSM und die SRG eine gemeinsame Basis gefunden haben.

Die Rede von Hanspeter Lebrument

Roger Köppel, Verleger und Chefredakteur der Weltwoche und Nationalrat der SVP, schloss sich der Meinung von Lebrument an. Er verglich die SRG gar mit dem aus «Star Wars» bekannten dunklen Imperium. Im weiteren Verlauf seines Referats thematisierte er die Rolle des Journalismus in der direkten Demokratie. Er ist der Meinung, dass es nicht reiche, wenn man über Probleme schreibt, sondern er fordert die Journalisten auf, sich im Milizsystem einzubringen.

Marcel Kohler, Leiter des Bereichs 20 Minuten und Mitglied der Unternehmensleitung der Tamedia, führte in seinem Vortrag durch die Erfolgsgeschichte von 20 Minuten. Anhand konkreter Zahlen zur Nutzerschaft und Nutzerintensität zeigte er auf, dass sich die 20 Minuten Printausgabe bewährt und sich dieser Erfolg auch in den digitalen Kanälen durchgesetzt hat. Diese Entwicklung führt man auf verschiedene Erfolgsfaktoren zurück, wie beispielsweise das journalistische Credo von 20 Minuten, die Distribution, der überlegte Umgang mit Social Media, die konvergente Redaktion und den konvergenten Verkauf.

Ottfried Jarren, Präsident der Eidgenössischen Medienkommission EMEK, beleuchtete den Stand des Service-Public-Berichts der EMEK. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Begrenzung der SRG notwendig ist, damit die entwicklungspolitischen Aufgaben der privaten Medienhäuser erhalten bleiben. Dennoch sei es wichtig, die service-public Medien anzuerkennen, da sie einen wichtigen Beitrag zur Integration und zum Zusammenhalt leisten. Um die Balance zu gewährleisten, schlägt die EMEK unter anderem mehr Transparenz und eine unabhängige interne und externe Evaluation vor.

In ihrem Beitrag stellte Anita Zielina, Chefredaktorin Neue Proudukte NZZ, die digitalen Transformationen der NZZ vor. Die strategischen Ziele könne die NZZ erreichen, wenn sie die digitalen Trends richtig umsetze und diese mit der Marke NZZ als führende Qualitäts-Medienmarke im deutschsprachigen Raum vereinbart. Die bisherigen Entwicklungen stimmen sehr zuversichtlich.

Für ein «satirisches Gewitter» sorgte Andreas Thiel. Knapp ein Jahr nach den Anschlägen auf die Redaktion von «Charlie Hebdo» machte er klar, dass «Satire Grenzen hat, aber nur moralische. Als Satiriker darf man nicht töten.»

Ein wichtiges Thema für die Medien- und Werbebranche thematisierte Thomas Spiegel, CEO von Dentsu Aegis Network, in seinem Referat. Er zeigte auf, welche Verluste durch Adblocker und Werbeverweigerung für die Medien und werbetreibenden Unternehmen entstehen können und präsentierte zugleich mögliche Lösungsansätze.

Daraufhin folgte ein Publizisten-Panel mit Martina Fehr, Chefredaktorin der Südostschweiz, Eric Gujer, Chefredaktor der Neuen Zürcher Zeitung, Hansi Voigt, Chefredaktor von Watson und Judith Wittwer, Mitglied der Chefredaktion des Tages-Anzeigers und der Sonntagzeitung. Sie diskutierten zusammen mit Moderator Peter Hartmeier über die politische Ausrichtung ihrer Blätter, über die Herausforderung im digitalen Bereich, über den Stellenwert des Kulturressorts und die Aufgaben und veränderten Bedingungen als Chefredaktor.

Zum Abschluss wurden zwei aktuelle Studien präsentiert. Die Werbemarktstudie 2016, von Leading Swiss Agencies (LSA) und dem Schweizerischen Werbe-Auftraggeberverband (SWA), welche durch die Forschungsstelle für Customer Insight der Universität St. Gallen durchgeführt wurde, lieferte erste Insights zu den zu erwartenden Werbeausgaben 2016. Sie wurde von Dr. Kai Kruthoff und Axel Berger vorgestellt. Die Ergebnisse sind erfreulich: Trotz verhaltener Erwartungen der befragten Manager an die Konjunktur mit leichten Umsatz- und Gewinnrückgängen wird das Mediabudget im Jahr 2016 beibehalten oder sogar erhöht. Dabei werde weiterhin, zunehmend in digitale Kanäle investiert. Die zweite durch Publicom durchgeführte Studie wurde von Othmar Fischlin vorgestellt. Die VSM-Mitglieder-Befragung zu den Branchen-Trends 2016 liefert Einblicke zu den wichtigsten, erwarteten Herausforderungen bei der Entwicklung der Presse, der Finanzierung publizistischer Angebote und der Entwicklung des Werbemarkts.

Jennifer Furer

 

Videos: Pascal Bloch
Fotos: Gaëtan Bally
Wir danken KEYSTONE für die Unterstützung.

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12. Januar 2016

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