Trendtagung Fach- und Spezialmedien

  23. November 2016     Folium, Zürich
Trendtagung Fach- und Spezialmedien

Trendtagung Fach- und Spezialmedien

Die diesjährige Trendtagung fand unter dem Thema „Diversität und Evolution“ statt. Es ist aktueller den je. Funktioniert Print auch in der Zukunft, oder ist das künftige Trägermedium für Fach- und Spezialmedien rein digitales oder Video? Dies war die grundlegende Frage, mit welcher sich fünf Referenten und rund 160 Teilnehmer an der Tagung auseinandergesetzt haben.

Veranstaltet wurde die Trendtagung Fach- und Spezialmedien erstmals von den beiden Verbänden SCHWEIZER MEDIEN (VSM) und SCHWEIZER FACHJOURNALISTEN (SFJ).

«Brave new media world»
Die Thematik der Digitalisierung ist für Fachmedien keineswegs neu. Dennoch sucht die Branche nach wie vor nach neuen, monetarisierbaren Geschäftsfeldern. Fach- und Spezialmedien beschäftigen sich u.a. mit der Frage, mit welchem Format Leser gehalten oder neue Leser generiert werden können. Michael Hagmann, Head of Communications EMPA, präsentierte ein Konzept, welches Print und Online-Videos kombiniert. Mit der Fachzeitschrift „EmpaQuaterly“ verfügt die EMPA über ein klassisches Printprodukt. Und ergänzend dazu, über diverse Videokanäle. Warum Videos? Die Antwort erscheint eindeutig: Videos werden auf Social Media vielmehr geteilt als andere Inhalte meint Hagmann. Linards Udris, Stellvertretender Leiter des fög, des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich, vertritt in seinem Referat die Meinung „Digitalisierung bedeute, dass Leute zunehmend mehr News über Social Media konsumieren“. Zudem erklärte Udris, dass die Nutzerforschung bei den Fach- und Spezialmedien einer Wüste gleicht. Es existieren nur wenige Forschungsansätze. Deshalb hat das fög im letzten Jahr selbst einen Pilot gestartet der über eine Anzahl Fachtitel Ansätze zur Transparenz in der Nutzung aufzeigt.


«Die Zukunft ist schon da»
Auch Stefan Huber, CEO und Gründer von how2 AG in München, rät zum Video. Er sagt: „Fach-medien können mit Videos sehr erfolgreich sein!“. Wichtig dafür sei jedoch eine innovative Video-Strategie. Die eigenen Produktionen sollen auch nach der Publikation ständig analysiert werden. Es ist wichtig zu wissen, wieso ein Video nur bis zur Hälfte angeschaut wird. Nur so kann herausgefunden werden, was wirklich funktioniert. Blogger und Youtube-Stars zeigen, dass Videos rasch Massen erreichen können.
Dem textbasierten Inhalt muss deshalb aber nicht der Rücken gekehrt werden. Blogger und Journalist Lukas Hässig, Herausgeber von „Inside-Paradeplatz“, zeigt, dass gute Schlagzeilen nicht nur in Print Aufmerksamkeit erzeugen. Online-Storytelling kann online hervorragend funktionieren. Lukas Hässig publiziert in seinem Finanzblog brisante Stories über die Finanzbranche in Zürich. Sein Konzept funktioniert. Von Ursprünglich 768 Aufrufen pro Blogpost ist er innert fünf Jahren bei 50'000 angelangt. „Ich wusste was ich wollte, ich wollte schreiben!“, sagte Lukas Hässig. Trotzdem setzt auch er ab und zu auf Videobeiträge in seinem Blog.

Aber ist das alleinige, künftige Erfolgsrezept wirklich Video?
Daniel Puntas, Chefredaktor REPORTAGEN, präsentiert mit seinem Magazin ein Printprodukt, welches nicht mit neuen, revolutionären Ideen experimentiert. Das Magazin wird bei den Abonnenten sehr geschätzt. Dabei sind viele der Leser unter 35 Jahre alt, meint Puntas. Er nennt sein Magazin mit den vielen Erzähl-Reportagen das „Weltgeschehen im Hauptformat“. Dieses scheint sich durchzusetzen. Aber auch REPORTAGEN ist der Digitalisierung nicht ganz entkommen. Es ist im Taschenbuchformat sowie digital verfügbar.

Wie Stefan Huber so schön gesagt hat: „Die Zukunft ist schon da!“. Das ist sie wirklich. Videos könnten in Zukunft auch bei Fachmedien eine wichtige Rolle spielen; aber Linards Udris hat anhand einer Untersuchung des fög auch gezeigt, dass zwischen Angebot und Nachfrage von Videos zurzeit noch eine Diskrepanz herrscht. Nichtsdestotrotz besteht ein steigendes Potenzial und Videos werden immer mehr zu Newszwecken genutzt. Wie weit sich Video als evolutionäres Format und Trägermedium der Fach- und Spezialmedien durchsetzen wird, muss sich zeigen. Die nach wie vor hohe Diversität und Vielfalt an Publikationen in der Schweiz bietet aber ein ideales Experimentierumfeld.

Im Anschluss an die Trendtagung wurden wie jedes Jahr der „Q-Award“ sowie der „SFJ-Award“ verliehen. Gewinner des „SFJ-Award“ ist Kurt Metz mit seinem Artikel „Wenn der ÖPNV in die Luft geht“. Den „Q-Award“ für die innovativste Fach- und Spezialpublikation hat das Swiss Dental Journal gewonnen. Eine Spezialauszeichnung erhielt mit Swissmom.ch, erstmals eine rein digitale Fachpublikation.

Bericht von Stephanie Schelling
Fotos von Thomas Stuckert, Werbewoche

 

Termin / Veranstaltungsort

23. November 2016

Folium Zürich

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