Dreikönigstagung 2017

  10. Januar 2017     WTC, Zürich
Dreikönigstagung 2017

Am 10. Januar 2017 fanden sich im World Trade Center in Zürich wiederum gegen 300 Entscheidungsträger und Interessierte aus der Medienindustrie, Politik und Wirtschaft zur traditionellen Dreikönigstagung ein. Eingeladen zu diesem Jahresauftakt-Event hat das Medieninstitut des Verbands SCHWEIZER MEDIEN. Markus Gilli, Chefredaktor AZ Medien TV, hat das Publikum und die Gäste mit einer engagierten, interessanten und humorvollen Tagesmoderation durch den Tag begleitet.

Rede Dr. Pietro Supino, Präsident Verband SCHWEIZER MEDIEN

Keine Besserungsaussichten im Werbemarkt
Gleich zu Beginn hat Dr. Pietro Supino, Präsident des Verbandes SCHWEIZER MEDIEN, auf den Punkt gebracht, was im letzten Jahr schon deutlich zu spüren war. Die Entwicklung des Werbemarktes 2016 war verheerend und die Aussichten verheissen keine Besserung. Nicht zuletzt durch die technologischen Entwicklungen und die Globalisierung, welche durchaus als positiv zu gewichten sind, ist die Medienbranche vor enorme Herausforderungen gestellt. Ein Problem scheint omnipräsent zu sein, die Zahlungsbereitschaft der Nutzer für Medieninhalte. Begriffe wie „Bedürfnisse des Publikums“, „user experience“, „inhaltliche Ausrichtung“ und „Qualität“ stehen dabei besonders im Mittelpunkt. Unter diesen Gesichtspunkten wünscht sich Supino für das kommende Jahr, dass es einen Durchbruch bei den Zahlungsmodellen im digitalen Bereich gibt und das kostenpflichtige Angebot ausgebaut wird.

Journalisten muss und kann man in Schach halten
Prof. Dr. Ralf Höcker, Presserechtsanwalt und Professor für Deutsches und Internationales Marken- und Medienrecht, hat in seinem Referat, u.a. am „Fall Michael Schumacher“, das Publikum anschaulich durch eine medienrechtliche Vorlesung geleitet. Die wichtigste Aussage war, dass «Berichte von Schweizer Medien vor deutschen Gerichten nach deutschem Recht angegriffen und verboten werden können». Anhand von vielen weiteren Beispielen hat Höcker erklärt, wann Darstellungen in den Medien rechtswidrig und angreifbar sind, welche Ansprüche daraus entstehen und wie man sie juristisch durchsetzen kann. In der Diskussion hat Markus Gilli Ralf Höcker die Frage gestellt, die wohl allen bereits unter den Fingernägeln brannte: Wie kann man jemanden wie den türkischen Staatspräsidenten Recep Tyyip Erdoǧan vertreten? Die Antwort fiel nüchtern aus: Schutz vor existenzgefährdender Berichterstattung stehe im Mittelpunkt, wer der Mandant ist, sei ihm egal.

Liaison fatale!
Filippo Leutenegger, FDP-Stadtrat von Zürich, fährt in seiner Rede dort fort, wo Pietro Supino aufgehört hat, bei der ernüchternden Erkenntnis, dass das Jahr 2016 für die Medienbranche wirtschaftlich und publizistisch kein gutes Jahr war. Dass die Medien sich nach der Wahl Trumps immer noch nicht erholt haben und noch fast täglich Schlagzeilen dazu zu lesen sind, ist für Leutenegger der «hilflose Versuch der Kaschierung der eigenen ungenügenden Recherche». Dabei ist es für ihn problematisch, dass sich Journalisten meistens nur mit ihrer engeren Umgebung identifizieren und dieses Denken die Redaktionen beeinflusst. Dabei sollten die Medien unabhängig berichterstatten, doch das notwendige kritische Bewusstsein gegenüber dem Staat geht zunehmend verloren.

Gratis funktioniert…
Christoph Tonini, CEO der Tamedia AG und Medienmanager des Jahres 2016, schilderte zunächst eindrücklich, wie Tamedia als grösstes Zeitungshaus besonders betroffen ist von den grossen Herausforderungen der Digitalisierung im Pressemarkt. Im Anschluss führte er die Teilnehmer durch die Erfolgsgeschichte von 20 Minuten. Das mit Abstand stärkste Newsportal,. 20 Minuten, hat erkannt, dass user-genereated content eine Zeitung zu einem sozialen Medium machen kann, das durchaus mit Facebook und Instagram auf einer Augenhöhe steht. In den letzten Jahren hat Tamedia nicht nur in neue digitale Plattformen investiert, sondern v.a. auch in Knowhow, z.B. im Bereich des Data-Minings oder der Innovation. Weiter wurde zusammen mit anderen Medienunternehmen ein Zentrum für Medientechnologie an der ETH initiiert. Tamedia ist überzeugt, dass „gratis“ funktioniert, glaubt aber auch an ein Paid-Modell. Die ersten Erfahrungen mit digitalen Bezahlmodellen sind positiv. Doch muss für die Nutzer ein Mehrwehrt geboten werden.

Inform, connect, empower
Corey Ford, Managing Partner von Matter Ventures (San Francisco) warnt, die digitale Transformation sei auch eine kulturelle Herausforderung. Als Beratungsunternehmen begleitet Matter Medienunternehmen bei der digitalen Transformation. Ihr „Design Thinking“-Ansatz beruht auf dem Prinzip, alle an einem Projekt beteiligten Stake-Holder in den Entwicklungs-Prozess einzubeziehen und eine Feedback-Kultur zu entwickeln, welche von Anfang an Fehler zulässt. Lineares Denken sei in der heutigen Zeit, in der nichts mit Bestimmtheit funktioniert, aber alles funktioniere könnte, kein zielführender Ansatz mehr. Corey Ford motivierte die Zuhörer, diesen Dialog-Prozess selbst auszuprobieren.

Print mit höherer Kontaktqualität als andere Mediengattungen
Boris Schramm, Managing Director Group M (Düsseldorf) ist der Meinung, dass Printmedien als Werbeträger im Werbemarkt zwar seit Jahren stark unter Druck stehen und dies u.a. auch damit zusammen hänge, dass sich in der Branche lange die Meinung hielt, dass Kontakte zu Werbemitteln in unterschiedlichsten Medien als gleichberechtigt zu betrachten seien. Viele Erkenntnisse aus der Neurologie, aber auch aus eigenen Tracking-Studien, nun aber deutlich zeigen, dass dies falsch ist. Auf der Wirkungsebene funktionieren auf keinen Fall alle Medien gleich. Ein Vergleich der reinen Kontaktebene lässt die Printmedien nicht wettbewerbsfähig erscheinen. Ein solcher Vergleich wird der Funktion der Printmedien folglich nicht gerecht. Zudem richtet Schramm die Botschaft an die Verlagshäuser, dass sie unbedingt mehr Gattungsmarketing betreiben müssen.

Die Bank.
Johan Jervøe, Group Chief Marketing Officer der UBS, hat in seiner Präsentation gezeigt, wie man eine Marke neu etablieren kann. Die UBS ist eine Marke im Wandel der Zeit, die sich aber ständig differenzieren muss. Jervøe plädiert für Emotionalität, da der Nutzer erst im Nachhinein postrationalisiert wird. Auch er greift das Argument von Boris Schramm auf, dass gleicher Inhalt auf verschiedenen Plattformen nicht gleich wirkt. Es zeigt sich wiederum, Kontakt ist nicht gleich Kontakt. Um zu prüfen, ob ihre Kommunikationsmassnahmen funktionierten, wird bei der UBS jeden Montag das „measurement dashboard“ analysiert und bei Bedarf werden Massnahmen ergriffen.

Abschliessend fand eine Podiumsdiskussion mit vier Studierenden des IPMZ der Universität Zürich, unter der Moderation von Nick Lüthi, Leiter Medienwoche,  zum Thema „Next Media Generation“ statt. Sie debattierten u.a. über ihre persönliche Ansicht über die Medienbranche, ihr eigenes Mediennutzungsverhalten sowie darüber, was Medienqualität für sie bedeutet.

Text I Annabelle Weber
Photo by KEYSTONE | Gaëtan Bally
Video by KEYSTONE | Pascal Bloch

Dr. Pietro Supino, Präsident Verband SCHWEIZER MEDIEN

Prof. Dr. Ralf Höcker, Presserechtsanwalt und Professor
für Deutsches und Internationales Marken- und Medienrecht

Boris Schramm, Managing Director Group M

Christoph Tonini, CEO Tamedia AG

Filippo Leutenegger, Stadtrat von Zürich

Termin / Veranstaltungsort

10. Januar 2017

WTC Zürich

Teilnahmegebühr

Mitglied VSM CHF 490

Nichtmitglied VSM CHF 620

 

 

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Bildlegende
©KEYSTONE/Newspaper Rock Utah, U.S.A.

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