Paid Content – zartes Pflänzchen nicht mit Gebührengeld ertränken

  26. April 2018
Paid Content – zartes Pflänzchen nicht mit Gebührengeld ertränken

Editorial Newsletter April 2018

Durch Gebühren finanzierte und kostenlos zugängliche Gratisinhalte der SRG sind genau das Gegenteil von dem, was der Medienmarkt Schweiz zur Zeit braucht. 

Die neue, ab 2019 gültige, SRG-Konzession sieht aber genau dies vor, ist eine Carte Blanche für diesen Onlineausbau und gefährdet damit die Bemühungen der Verleger, verstärkt Inhalte gegen Bezahlung anzubieten

Der Spiegel baut sein Paid-Content-Angebot nochmals neu. Google hat angekündigt, die Verlage beim Abo-Verkauf zu unterstützen. Facebook testet Abo-Modelle für die Verleger innerhalb seiner Community. Sogar Buzzfeed denkt nun über ein Abo-Modell nach. Und auch in der Schweiz werden die Paywalls höher gebaut

Das ist sehr gut so. Den Lesern muss der Geld-Wert von Information wieder bewusst gemacht werden.

Die vielbeschworene Medienkrise ist keine Krise der Nachfrage. Die Reichweiten der Zeitungsmarken war noch nie grösser als heute. Die WEMF weist in der aktuellen Total-Audience-Studie durchschnittlich einen Drittel Onlinenutzer aus. Die Überschneidung der Print- und Online-only-Nutzer beträgt dabei erfreulicherweise nur rund 6%. Da ist viel Potenzial für neue, zahlende Kunden

Die Zahlungsbereitschaft gilt es bei den Leserinnen und Lesern aber erst aufzubauen. Wird die Schweizer Medienlandschaft von der SRG nun mit hochqualitativem Gratis-Journalismus geflutet, ersticken die Bemühungen der Schweizer Verleger, ihren Inhalten auch online ein Preisschild anzuheften.

Die SRG hat angekündigt, auf Text-only-Beiträge zu verzichten, die keinen Bezug zu einem existierenden Audio- und Video-Angebot haben. Richtiger wäre eine stärkere Einschränkung: Nur was auf den Radio- und TV-Kanälen gesendet wird, kommt auch ins Netz. Also: Keine Web-only-Produktionen auf Youtube und den weiteren über 200 Social-Media-Kanälen der SRG.

Bald kommt das lang angekündigte Mediengesetz in die Vernehmlassung. Diese Gelegenheit will auch der VSM nutzen, um breit über die zukünftige Medienordnung in der Schweiz zu diskutieren

Der VSM fordert deshalb in der Vernehmlassung zur SRG-Konzession eine Sistierung. Die heutige Konzession soll verlängert werden bis die Debatte geführt ist. Hier ist auf Einsicht des Bundesrats, insbesondere natürlich bei Bundesrätin Leuthard, zu hoffen

Mit freundlichen Grüssen

 

 

 

Andreas Häuptli
Geschäftsführer

P.S. Zur Entwicklung im Werbemarkt – die Publicitas betreffend – wird der VSM Anfang nächster Woche eine Stellungnahme abgeben.