mediennutzung

Das Thema Mediennutzung beschäftigt sich einerseits mit quantitativen Aspekten der Nutzung von Medien (Häufigkeit/Umfang) durch Rezipienten. Andererseits geht es in diesem Forschungszweig um Prozesse der Auswahl und Zuwendung von Medienangeboten. Im folgenden werden ausgewählte Theorien, die sich mit der Frage nach den Motiven von Mediennutzung auseinandersetzen, dargelegt.

Uses-and-Gratification-Ansatz

Wie nutzen Menschen die Medien? Oder anders gefragt: Was machen die Menschen mit den Medien? Diese Frage steht im Zentrum des Uses-and-Gratification-Ansatzes. Hinter der vorgängig gestellten Frage steckt die Prämisse, dass die Rezipienten aktiv sind und in Abhängigkeit ihrer Bedürfnisse, Probleme und Erwartungen ein bestimmtes Medium bzw. einen bestimmten Medieninhalt nutzen. Das heisst: verschiedene Medien stehen als Mittel der Bedürfnisbefriedigung oder Problemlösung miteinander in Konkurrenz, und zwar auch mit nichtmedialen Quellen. Medien werden nicht einfach so genutzt. Deshalb ist die Frage zentral, weshalb sich Rezipienten ihnen zuwenden.

Der Uses-and-Gratification-Ansatz geht davon aus, dass Menschen aufgrund eines differenzierten Sozialisationsprozesses und unterschiedlichen Lebenssituationen jeweils andere Probleme und Bedürfnisse bei sich wahrnehmen. Die darauf bezogenen Möglichkeiten der Bedürfnisbefriedigung und Problemlösung variieren demnach je nach Ausgangslage zwischen unterschiedlichen Individuen.

 

Aktive Informationssuche

Der Ansatz der aktiven Informationssuche entstand aus der Kritik am Uses-and-Gratification-Ansatzes. Dieser Ansatz vernachlässige, wann Menschen nach Informationen zu bestimmten Themen suchen und in welchen Medien sie dies tun.

Die Theorie geht davon aus, dass eine zielgerichtete Suche nach Informationen immer im Zusammenhang mit subjektiv wahrgenommenen Problemen steht, die für Handelnde relevant sind. Medieninhalte haben für potenzielle Nutzer nur einen instrumentellen Wert, wenn sie Orientierung, Entscheidungen und Handeln erleichtern oder ermöglichen. Eine Informationssuche und -aufnahme erfolgt nur dann, wenn der Informationswert grösser ist als die Kosten der Informationssuche. Der wichtigste Motivationsfaktor des Konsums stellt demnach die instrumentelle Nützlichkeit der Informationsquelle dar. Der Informationsbedarf hängt dabei stark von den Adaptionserfordernissen gegenüber der Umwelt ab – privat und auch öffentlich.

 

Situationaler Informationsgebrauch

Der Ansatz von Brenda Dervin (1976), aus der Perspektive des Mediennutzers, definiert Information wiefolgt: Information ist eine Antwort, die sich Handelnde als Fragende bezüglich ihrer Probleme in sozialen Situationen erschaffen. Informationen werden aus Sicht der Handelnden in einem für sie relevanten sozialen Kontext konstruiert. Handelnde suchen Informationen entsprechend den sozialen Situationen, in denen sie sich befinden und auch entsprechend den Problemen, die mit diesen Situationen verknüpft sind.  

  • In Entscheidungssituationen (mehrere Alternativen stehen zur Verfügung)
  • In Beängstigungssituationen (wo kein Weg gesehen wird)
  • In Blockierungssituationen (Wenn die angestrebte Lösung durch ein Hindernis blockiert ist)
  • In Problemsituationen (bei Handlungszwang durch die Umwelt)

 

Eskapismus

Während in der politischen Kommunikation vor allem positive Effekte der Mediennutzung wie Partizipation und Informiertheit betont werden, wurden die Unterhaltungsangebote unter negativen Vorzeichen diskutiert. So entstand in den 1960er Jahren das Eskapismus-Konzept. Es wurde in erster Linie für die Nutzung von Fernsehunterhaltung konzipiert. Das Konzept beschreibt, dass vor allem Heranwachsende sich einem Unterhaltungsangebot zuwenden, um den Alltag und dessen Probleme zu vergessen.

 

Mediensucht

Medien können auch als Folge von Sucht konsumiert werden. Im Zusammenhang mit dem Eskapismus-Konzept wurde die Mediensucht vor allem in Bezug auf die Fernsehnutzung diskutiert.

In der Literatur finden sich folgende Erklärungsversuche zur (Fernseh-)Sucht:

  • In Anlehnung an die Eskapismus-Theorie wurde die Fernsehsucht als Problemlösungsmechanismus angesehen. Durch den Konsum von Medienangeboten findet ein Rückzug aus der Welt statt – Fantasie und Realität würden nicht mehr unterschieden.
  • Die Fernsehsucht resultiert aufgrund der Stressreduktion. Die eigenen Gedanken würden durch den Konsum substituiert.
  • Fernsehen ist relativ passiv und erfordert je nach Angebot nur wenig Konzentration. „Entspannen“ als Gratifikation hält aber nur während des Konsums an, was das Abschalten schwierig macht.
  • Durch das Fernsehen findet eine sensorische Erregung statt. Bei habitueller Nutzung nimmt die Toleranz für unstrukturierte Situationen ab und es werden immer höhere „TV-Dosen“ benötigt.
  • Verschiedene Studien belegen, dass vor allem Kinder mit sozialen Problemen (Schulschwierigkeiten, keine Freunde, familiäre Probleme) zu hohem Fernsehkonsum neigen.
  • Vor allem chronisch einsame Menschen neigen dazu, häufig fernzusehen, als Ersatz für fehlende Kommunikationsmöglichkeiten.
  • Die Social-Class-Theorie geht davon aus, dass Medien ein hohes Suchtpotenzial haben, für jene, die in der Gesellschaft nicht akzeptiert werden.

 

Dynamisch-transaktionaler Ansatz

Die Prämisse dieses Ansatzes ist, dass Medien und Rezipienten sowohl passive wie auch aktive Teilnehmer des Kommunikationsprozesses sind. Zwischen Kommunikation bzw. Medieninhalten und Rezipienten kommt es zu Inter-Transaktionen. Zudem gibt es Intra-Transaktionen innerhalb der Rezipienten und des Mediums.

Der Kommunikator ist aktiv: Er wählt Informationen aus, setzt Akzente und richtet die Botschaften auf die Bedürfnisse und Gewohnheiten des Publikums aus. Er ist aber auch passiv, weil er sich den Bedingungen aussetzten muss, die ihm das Medium und die Rezipienten setzten. Auch der Rezipient ist passiv, weil er nur zwischen den Aussagen auswählen kann, die ihm angeboten werden. Der Rezipient ist aber auch aktiv bezüglich seiner Medien- und Aussagenselektion. Dazu kommen die aktiven Prozesse des Verstehens der Medienaussage.

Medienangebote können auf verschiedene Weise rezipiert werden:

  • Die Medienbotschaft kann unverändert übernommen werden.
  • Die Medienbotschaft kann durch unmotiviertes Vergessen reduziert werden.
  • Die Medienbotschaft kann durch Zusammenfassung modifiziert werden.
  • Die Medienbotschaft kann durch Vorwissen ergänzt werden.

 

Verwendete Literatur

Bonfadelli, Heinz/ Friemel, Thomas N. (2011): Medienwirkungsforschung. Konstanz und München.