medienrezeption

Die Medienrezeption beschreibt den Medienumgang. Dieses prozessorientierte Geschehen findet auf kognitiver, affektiver und sozialer Ebene statt. Verschiedene Konzepte (Aufmerksamkeit und Verarbeitung, Gefühle und Stimmung, Wünsche und Wollen) beleuchten den Umgang von Rezipienten mit den Medienbotschaften.

 

Aufmerksamkeit

Die Aufmerksamkeitsforschung widmet sich der kognitiven Ebene. Sie behandelt die Frage, wie sich die Aufmerksamkeit gegenüber verschiedenen Medien beschreiben und messen lässt und auch welche Faktoren die Aufmerksamkeit beeinflussen.

Diese Forschungsrichtung wird immer wichtiger, da die Erzeugung und Steuerung von Aufmerksamkeit im verschärften Wettbewerb um Publika eine wichtige Rolle spielt.

Die Höhe der Aufmerksamkeit spielt nicht nur beim sondern auch nach dem Konsum eine wichtige Rolle. Erst ein bestimmtes Mass an Aufmerksamkeit führt zur Informationsaufnahme.

Aufmerksamkeit kann als knappe Ressource des Rezipienten angesehen werden. In diesem Zusammenhang spricht man oft von der „Ökonomie der Aufmerksamkeit“. Die Medien aber auch die Werbung buhlen auf dem Aufmerksamkeitsmarkt um die knappe Gunst des Publikums. Auf Seiten des Rezipienten führt das nicht zuletzt zu einer Informationsüberlastung.

Bei den Printmedien wird mit Hilfe von Blickaufzeichnungsanalysen untersucht, wie gestalterische Aspekte die Artikelauswahl und den Leseprozess des Rezipienten beeinflussen. Daraus resultieren Folgerungen für ein rezipientengerechtes Design.

 

Informationsverarbeitung und Verstehen

Das Verstehen von Medienbotschaften wird als aktiver Prozess der Sinnkonstruktion verstanden. Beim Verstehen wird zwischen zwei kognitiven Prozessen unterschieden. Der top-down Verarbeitungsprozess erfolgt vom Rezipienten aufgrund seines Vorwissens und bestehender Meinung. Der bottom-up Verarbeitunsprozess wird vom Text und seiner Information gesteuert. Er führt zu einer Anpassung bestehender Strukturen.

Da der Nutzer von Medieninhalten einen kognitiven Aufwand für das Verstehen der Botschaft leisten muss, spielt der Grad der Aufmerksamkeit (kognitive Ressource) eine Bedeutung für die Aufnahme und Speicherung des Wissens. Wenn sich der Rezipient anstrengt und konzentriert ist, erhöhen sich die kognitiven Ressourcen. Durch Übung und Vertrautheit im Sinne von Automatisierung erhöht sich die Aufmerksamkeit des Rezipienten ebenfalls.

Einen wichtigen Einflussfaktor für das Verstehen von Medieninhalten sind Interferenzen. Beispielsweise bei Text-Bild-Scheren kann die Aufmerksamkeit des Rezipienten abnehmen, weil die verfügbaren kognitiven Ressourcen begrenzt sind.

 

Identifikation

Identifikation meint die Gefühlsbindung an eine andere Person oder in Bezug auf die Medien gesagt: Identifikation ist das Bedürfnis des Rezipienten so zu sein wie andere Personen. Eine Identifikation findet vor allem dann statt, wenn das Identifikationsvorbild die Bedürfnisse und Wünsche des Rezipienten stellvertretend zu befriedigen vermag. Der Rezipient kann durch die Identifikation die positiven Gefühle und Merkmale stellvertretend miterleben. Es wird angenommen, dass eine starke Identifikation mögliche Medienwirkungen fördern oder sogar verstärken kann.

Währenddem der Identifikationsprozess vor allem als emotionales Geschehen thematisiert wird, basiert das Konzept der Parasozialen Interaktion auf dem Vergleich der Fernsehinteraktion mit der Face-to-Face Kommunikation. Dieses Konzept wird vor allem auf das Fernsehen angewandt. Fernsehen erweckt dabei bei den Zuschauern eine Illusion von persönlicher Nähe und Intimität  mit TV-Personen. Dabei findet aufgrund des fehlenden Rückkanals keine wechselseitige Koorientierung statt. Aufgrund von habitualisiertem Fernsehen entwickeln sich parasoziale Beziehungen zwischen Zuschauern und (Serien-)Figuren

 

Emotionale Prozesse

Es gibt eine Vielzahl theoretischer Ansätze bezüglich Emotionen während dem Medienkonsum. Einige werden im folgenden dargestellt.

Mihaly Csikszentmihalyi hat sich mit der Frage beschäftigt, was Menschen glücklich macht. Dazu hat er Forschungen zum Flow-Erleben getätigt. Ausgangspunkt war die Beobachtung von Künstlern, die in ihrem Schaffen vollkommen aufgehen und sich von der umgebenden Welt loslösen können. Währenddem Schaffen entsteht ein intrinsisch motiviertes Flow-Erleben. Entscheidend für die Intensität des Flows sind das Gleichgewicht zwischen den Anforderungen einer (Medien-)Tätigkeit und den eigenen dazu erforderlichen Fertigkeiten. Wenn die Herausforderungen der Medien-Interaktion zu hoch und die dazu benötigten Fertigkeiten zu tief sind, ergeben sich Gefühle von Überforderung und Angst. Umgekehrt entsteht das Gefühl von Langeweile, beispielsweise wenn das Medium zu wenig Neues oder Überraschendes bietet.

Ähnliche Annahmen liegen der Komplexitätstheorie zu Grunde. Sie geht davon aus, dass Individuen bestrebt sind einen bestimmten Aktivierungspegel aufrechtzuerhalten und darum nach Abwechslung suchen. Aktivierung, die als angenehm erlebt wird, kann durch aktive Informationssuche erzeugt werden. Der Rezipient bewegt sich dabei stets zwischen den Polen Abwechslung und Redundanz. Angenommen der Rezipient befindet sich im Zustand hoher Redundanz, wird er bestrebt sein Informationen zu suchen und aufzunehmen.

Eine weitere Theorie ist die Aktivierungstheorie von Schachter/Singer (1962). Sie postuliert, dass während dem Konsum von bestimmten Medienangeboten, wie beispielsweise Action-Filmen, starke psychologische Affekte (Spannung, Thrill, Erregung) hervorgerufen werden. Dieses Spannungserleben wird gesucht und führt zu einer positiven Bewertung des Films. Die psychologische Erregung (Arrousel), die sich während der Rezeption aufgebaut hat, wird nicht sofort abgebaut. Dieses Nachwirken hat zur Folge, dass sich folgende Sequenzen Aufsummieren, was als Excitation-Transfer-Effekt bezeichnet wird.

Ein weiterer Ansatz, die Mood-Managment-Theorie, stammt von Dolf Zillmann. Es ist ein wichtiger Ansatz in der Kommunikationswissenschaft zur Erklärung der emotionalen Medienzuwendung. Medienzuwendung wird bei dieser Theorie aufgrund des Mood-Management erklärt: Medien werden als Mittel zur Beeinflussung der momentanen affektiven Befindlichkeit konsumiert. Dabei ist der Rezipient bestrebt, eine angenehme Stimmung zu suchen. Die Theorie differenziert zwischen verschiedenen Stimmungslagen: Einerseits zwischen Unterstimulation vs. Überstimulation und andererseits zwischen angenehmen positiven vs. unangenehmen negativen Stimmungen. Bei einem Experiment konnte gezeigt werden, dass sich gelangweilte Personen aufregenden Medienangeboten zuwenden, währenddem gestresste Personen beruhigende Angebote wählten.

 

Verwendete Literatur

Bonfadelli, Heinz/ Friemel, Thomas N. (2011): Medienwirkungsforschung.Konstanz und München.