
Im Vorfeld des Medienkongresses wurde auch dieses Jahr die Mitgliederversammlung des Verbandes SCHWEIZER MEDIEN abgehalten. Ausser den üblichen statutarisch vorgegebenen Traktanden fand eine Ersatzwahl ins Präsidium statt. Filippo Lombardi, der nächstes Jahr als Präsident des Ständerates engagiert sein wird, hat seinen Präsidiumsplatz zur Verfügung gestellt. An seiner Stelle wurde Filippo Leutenegger gewählt, welcher als Verwaltungsratspräsident der Basler Medien BaZ Einsitz nimmt.
Hanspeter Lebrument ging in seiner präsidialen Ansprache auf den bundesrätlichen Entscheid zur Aufrechterhaltung des Online-Werbeverbotes für die SRG ein. Der Bundesrat habe die SRG damit wieder zu einem Teil der Medienlandschaft Schweiz gemacht und damit ein weitsichtiges Zeichen gesetzt. Wieso er dies so beurteile, führte er anhand der gesetzlichen Bestimmungen zum Medienfusionsartikel und zum RTVG aus. Er ging auf die beiden überfallartigen Versuche des Fernsehmonopolisten ein, als die Walliser-Connection (ein Bundesrat und ein Fernsehdirektor) versuchten, mit falschen Argumenten die Onlinewerbung zu Fall zu bringen, sowie auf das «Abschiedsgeschenk» des letzten Fernsehdirektors, als die Verleger knappe 12 Stunden vor dem Entscheid Kenntnis von der bundesrätlichen Vorlage erhalten haben. Dass der Bundesrat zudem eine unabhängige Medienkommission einsetzen will, zeigt für unseren Präsidenten klar, dass sachliche Argumente immer noch gegenüber den guten Beziehungen sowie durch Auftritte vor der Kamera Bestand haben. Er stellte klar in den Raum, dass die privaten Verleger klare Spielregeln für den Online-Auftritt der SRG fordern und diese gegenüber heute präzisiert werden müssen. Zudem darf der Aufbau zukunftsweisender Bezahlmodelle der privaten Medienhäuser nicht gefährdet werden.
Die Bundespräsidentin Dr. Eveline Widmer Schlumpf ging schwergewichtig auf die Verantwortung der Journalistinnen und Journalisten ein. Das Institut des Presserates, dem die Verleger von SCHWEIZER MEDIEN angehören, soll durch die Medienschaffenden getragen werden. Berichterstattungen in Schrift, Bild und Ton haben eine Informationsaufgabe, müssen aber auch faktengetreu und seriös sein. Fehlinformationen und insbesondere Indiskretionen, auch seitens der Behörden, erschweren die sachliche gesellschaftliche und politische Debatte.
Die Fachreferate und Podien gaben einen breiten Einblick in die Medienwelt. Angefangen bei einer Beurteilung der wirtschaftlichen Lage unter Berücksichtigung der Finanzmärkte. Unternehmen dürfen damit rechnen, dass die Leitzinsen sich in den nächsten Jahren nicht erhöhen werden, was eine gewisse Sicherheit bei Investitionen zur Folge hat. Spannend war auch die Beurteilung der Situation in den arabischen Ländern, welche von der Leiterin des Jordanischen Medieninstituts vorgetragen wurde. Laut ihren Ausführungen waren es nicht die Social Media, welche die Umstürze der politischen Spitze bewirkt haben, sondern vielmehr die Möglichkeiten der Kommunikation mittels Mobile (SMS und MMS). Dass das Inserat seine Bedeutung hat, wurde auf dem entsprechenden Podium nicht verneint, nur gegenüber der Bewegtbildwerbung anders gewichtet. Dass sich die Norwegischen Verleger mit ähnlichen Problemen beschäftigen wie die Schweizer, wurde spätestens während des Vortrages des Zeitungsverlegers sowie Präsidenten der ENPA European Newspapers Publishers' Association klar. Die eine oder andere Lösungsvariante, die Kunden eines Medienhauses zu erreichen, kann vielleicht sogar kopiert werden. Über die Qualität in den Medien diskutierten Chefredaktoren und der Präsident der Subkommission Medien der Staatspolitischen Kommission (SPK) des Nationalrates. Dabei stand die seriöse Berichterstattung im Vordergrund, während darauf hingewiesen wurde, dass der Vorstoss der SPK, allein durch die gewählte Form als Motion, sich schon fast selber erledigt hat. Einen vertieften Einblick in die Wege zur Zielerreichung boten die Vertreter der grossen Schweizer Medienhäuser. Den Abschluss des Kongresses bildete ein Referat, welches auf die Gefahr der Datenfreigabe an grosse Social Media hinwies und dafür plädierte, dass die Kundendaten innerhalb des eigenen Medienhauses und damit selber gewinnbringend verwendet werden können. Alle Teilnehmer des Kongresses haben die Möglichkeit, die aufgezeichneten Referate mittels zugangsgeschützter Webcasts nochmals zu erleben.
Der Kongressabend fand im altehrwürdigen Salon des Kongresshotels statt. Neben den kulinarischen Darbietungen genossen die Teilnehmenden auch eine Showeinlage von «Coloro». Diese Mischung aus Akrobatik und moderner Lichttechnik überraschte alle im Saal so sehr, dass bei den über 250 Gästen selbst die heruntergefallene Gabel störend wirkte.
Im kommenden Jahr wird das Konzept des Medienkongresses angepasst. Das Präsidium von SCHWEIZER MEDIEN hat beschlossen, am Donnerstagnachmittag die Mitgliederversammlung durchzuführen, am Freitag den eigentlichen Kongressteil und am Freitagabend mit der SCHWEIZER MEDIEN NACHT die Veranstaltung ausklingen zu lassen. Dazu werden wir Sie in den kommenden Ausgaben des FlashNewsletter laufend informieren. Reservieren Sie sich aber sicher schon mal den 12. und 13. September 2013, wobei zusätzlich der Samstagmorgen für die Heimreise eingeplant werden sollte. Wir freuen uns auf einen ebenso erfolgreichen und spannenden Kongress, wie in diesem Jahr.
Fotos: KEYSTONE/Sigi Tischler und Laurent Gilliéron
![]()