Trendtagung Fach- und Spezialmedien

  14. November 2013     Lake Side, Zürich
Trendtagung Fach- und Spezialmedien

Die Referenten an der Trendtagung Fach- und Spezialmedien waren von einem Lamento weit entfernt. Vielmehr stellten sie die grossen Zusammenhänge her und entwarfen ein Zukunftsbild für eine Branche, die auf unternehmerischer Weitsicht und branchenspezifischem Fachwissen gründet.

Die überwiegend mittelständischen Fach- und Spezialverlage sind ein wertvolles Bindeglied zu Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Mit ihren Leistungen tragen Sie zu einer vielfältigen Medienlandschaft bei, auf die die Bevölkerung in der direktdemokratischen Schweiz so zwingend angewiesen ist. Die Fach- und Spezialverlage bereichern aber nicht nur die politische und gesellschaftliche Schweiz, sie zeichnen sich häufig auch in ihrer unternehmerischen Leistung besonders aus. In Ihren Reihen sind immer wieder ein besonderer Erfindergeist, unerschrockener Verlegermut und oft eine ausgeprägte Kundennähe zu beobachten.

Diese Eigenschaften waren an der Trendtagung Fach- und Spezialmedien 2013 deutlich zu erkennen. Die Fachreferate vermittelten den Eindruck, dass sich die Medienbranche in einem Umbruch befindet, der von allen unternehmerische Weitsicht, aber auch branchenspezifisches Fachwissen erfordert. Von einem Lamento waren die Referenten aber weit entfernt. Vielmehr stellten sie die grossen Zusammenhänge her und entwarfen ein Zukunftsbild, das sowohl das Stammgeschäft als auch Erfahrungen mit neuen Aktivitäten einschloss.

Als grösste Herausforderung der Gegenwart wurde immer wieder die Digitalisierung angesprochen. Sie ist nichts weniger als die fünfte Medienrevolution in der Menschheitsgeschichte - nach der Erfindung der Sprache, der Schrift, dem Buchdruck und dem Rundfunk. Anders als etwa im Musikgeschäft, haben sich bei Verlagsprodukten nicht nur das Trägermedium und die Vertriebswege verändert, sondern auch das Produkt und die Produktionsweise. Darum ist die sich aus der Digitalisierung ergebende Herausforderung für die Verlage ungleich grösser als für andere Mediengattungen. Durch die Umwälzungen ergibt sich für die Medien aber auch die historische Chance, bestehende sowie neue Produkte und Services digital anzubieten. Wie ein deutscher Fachverlag diese Chancen anpackt, erklärte Stefan Eiselein, der seit 2008 Mitglied der Geschäftsleitung von Vogel Business Media ist. Er empfahl unter anderem die Verknüpfung von Inhalten über mehrere Medienformate hinweg (Print, Online, Social, Mobile) für den Nutzermarkt und Komplettlösungen für die Kommunikation im Werbemarkt.

Die Potenziale von Social Media arbeitete Michael Gisiger in seinem Referat heraus. Er zeigte anhand vieler Beispiele die neuen Möglichkeiten des Mitmach-Web für das Marketing und die Verkaufsaktivitäten in Verlagshäusern auf. Unbestritten ist, dass das soziale Netz für das Verlagsgeschäft enormes Potenzial und eine Fülle an lohnenden Möglichkeiten offenbart. Patentrezepte gibt es aber keine. Umso wichtiger ist deshalb, dass sich Medienprofis mit Social Media auseinandersetzen.

Der zweite Teil begann mit einem redaktionellen Thema: dem Interview. Es führt innerhalb der journalistischen Gattungen ein eigenartiges Zwitter-Dasein. Zum einen wird es seit geraumer Zeit geradezu inflationär praktiziert, zum andern wird es nicht annähernd so geschätzt wie die aufdeckende Recherche, die Reportage, der scharfsinnige Kommentar, eine brillante Glosse oder ein treffendes Porträt. Barbara Lukesch, freie Journalistin und Dozentin, gab zahlreiche Ratschläge, damit Fachournalisten beim Verfassen von Interviews nicht in eine PR-Falle tappen.

Als nächstes wurden die Verschiebungen in der Schweizer Fachmedien-Landschaft unter die Lupe genommen. Der Medienunternehmer Peter Weigelt berichtete, wie er im Bereich Druck und Fachverlag ein neues Konzept erarbeitete und am Schweizer Markt erfolgreich lancierte. Die Zuhörer erfuhren aus erster Hand, warum sich zwei Ostschweizer Medienunternehmen zusammenschlossen, um ihre Kräfte im Bereich Druck, Fachverlage und Online zu bündeln. Ein Fazit des vielseitig engagierten Unternehmers war, dass Fach- und Spezialverlage im sich verändernden Umfeld über kurz oder lang gezwungen sind, eine Vorwärts- und Wachstumsstrategie einzuschlagen.

Im letzten Referat gingen Florus Mulder und Christian Reuer der Frage nach, wie viel Fingerspitzengefühl es braucht, damit eine Mannschaft im Unternehmen seine Arbeit auch bei einer Neuausrichtung perfekt ausführt und mitzieht. Aus dem Überblick des Personalexperten Mulder und des Organisationsberaters Reuer wurde klar, dass erfolgreichen Veränderungen sehr viele Stolpersteine im Weg stehen. Scheitern wird etwa, wer die Effizienz einer Organisation bis zu einem nicht mehr überbietbaren Niveau steigert. Dann hat niemand mehr Zeit darüber nachzudenken, was man anders oder besser machen könnte.

Termin / Veranstaltungsort

14. November 2013

Lake Side Zürich