Lokalmedientagung 2026: Neue Perspektiven im KI-Zeitalter
Mit über 80 Teilnehmenden aus der ganzen Schweiz brachte die Lokalmedientagung 2026 Vertreterinnen und Vertreter lokaler und regionaler Medienhäuser zusammen, um über die Zukunft des Journalismus im digitalen Zeitalter zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde erstmals gemeinsam vom Verlegerverband SCHWEIZER MEDIEN und dem MAZ – Institut für Journalismus und Kommunikation durchgeführt. Im Mittelpunkt standen konkrete Ansätze, wie Medienunternehmen neue Technologien nutzen, ihr Publikum besser erreichen und ihre wirtschaftliche Basis stärken können.
Zum Auftakt der Tagung ging es um die Frage, wie Schweizer Medien ihre Stärken im digitalen Werbemarkt noch besser ausspielen können. Silvano Oeschger zeigte anhand von OneDSP, wie Verlage ihre Reichweiten bündeln und Werbekunden attraktive, qualitativ hochwertige Alternativen zu internationalen Plattformen bieten können. Sein Fazit: «Die Kraft der Schweizer Medienbranche liegt im Bündnis».
Auch künstliche Intelligenz eröffnet lokalen und regionalen Medienhäusern neue Chancen. Reto Vogt präsentierte konkrete Anwendungsbeispiele für die Reichweitengewinnung und betonte: «Die Erstellung der Inhalte ist menschlich, die Distribution ist automatisiert». Der Chief Product Officer des MAZ plädierte zudem dafür, Medienschaffende auf Social-Media-Plattformen gezielt als persönliche Marken zu positionieren.
Das Publikum besser verstehen und Kompetenzen stärken
Lena Leibetseder von Russmedia Digital aus dem österreichischen Vorarlberg zeigte, wie Medienhäuser ihre Nutzerinnen und Nutzer langfristig begeistern und binden können. Im Fokus standen innovative Ansätze im Community-Building, etwa der Einsatz von WhatsApp-Kanälen für den Austausch mit Lesereporterinnen und Lesereportern sowie Loyalty-Programme zur nachhaltigen Stärkung der Nutzerbindung.
Einen praxisnahen Einblick in die Weiterentwicklung digitaler Bezahlangebote gab Adrian Gottwald von Ringier Medien Schweiz. Anhand konkreter Erfahrungen zeigte er, wie erfolgreiche Strategien zur Gewinnung neuer Abonnentinnen und Abonnenten aussehen und welche Potenziale in der konsequenten Weiterentwicklung digitaler Erlösmodelle liegen.
In einer zunehmend digitalen Informationswelt wächst der Bedarf an verlässlicher Einordnung, glaubwürdiger Berichterstattung und einer hohen Medienkompetenz in der Bevölkerung. Andrina Schmid, stellvertretende Geschäftsführerin von Use the News Schweiz, zeigte auf, wie diese Kompetenzen insbesondere jüngeren Zielgruppen vermittelt werden können. Die gemeinsame Plattform von SRG, Keystone-SDA und dem VSM «will ein Netzwerk aufbauen, Sichtbarkeit schaffen, Information vermitteln und Angebote bündeln», so Schmid.
Lokaljournalismus bietet Chancen – trotz grosser Herausforderungen
Im abschliessenden Panel stellte Moderator Fabian Muster vom MAZ die Frage, ob die Branche vor einer Talentkrise steht oder ob vielmehr der Lokaljournalismus insgesamt unter Druck geraten ist. Christian Mensch von den CH Regionalmedien sieht zwar ein Finanzierungskrise, betont aber gleichzeitig: «Die Leute, die sich für Medienberufe interessieren, sind oft sehr gut».
Regionale Medienhäuser bieten diesen Talenten die Möglichkeit, sich intensiv mit ihrer Heimatregion auseinanderzusetzen. Orfa Schweizer vom Walliser Boten hob hervor, dass man sich dort mit «einer Region auseinanderzusetzen, in der man verwurzelt ist». Miriam Abt, die sowohl für JJS als auch für Keystone-SDA tätig ist, bezeichnete es als besonders sinnstiftend, beruflich Fragen stellen zu dürfen. Gleichzeitig würden sich viele Gleichaltrige mit einem ähnlichen Profil für die Kommunikationsbranche entscheiden, weil dort das Stellenangebot grösser sei.
Joël Widmer, Mitgründer von Hauptstadt, ergänzte, dass vielerorts auch ein Pool an Freischaffenden fehle. Um Nachwuchs zu gewinnen, seien kreative Ansätze gefragt. Der Walliser Bote setzt beispielsweise auf Schnupper- und Sommerpraktika, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen.
Qualität, Nähe und Innovation als Erfolgsfaktoren
Die Lokalmedientagung 2026 machte deutlich: Die Zukunft lokaler und regionaler Medien bietet trotz anspruchsvoller Rahmenbedingungen zahlreiche Chancen. Wer journalistische Qualität, Publikumsnähe und Innovationskraft verbindet, kann die Möglichkeiten des digitalen Wandels erfolgreich nutzen. Gerade lokale und regionale Medien verfügen über beste Voraussetzungen, um ihre wichtige Rolle in der Schweizer Gesellschaft auch künftig zu stärken.