Fast 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind News-depriviert - Was wir dagegen tun können

  10. November 2022
Fast 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung sind News-depriviert - Was wir dagegen tun können

Das fög stellt im neuesten Jahrbuch der Medien fest: Um die Medienqualität in der Schweiz steht es gut. Auch die Zahlungsbereitschaft für professionelle News hat leicht zugenommen, insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe (18 Prozent sind bereit für News zu zahlen). Trotzdem lassen die Ergebnisse des Jahrbuchs aufhorchen: Der Anteil der News-Deprivierten – also News-Unterversorgten mit professionellen Nachrichten – hat sich seit 2009 fast verdoppelt. Der Bericht zeigt allerdings auch Chancen auf.

Der Anteil der News-Deprivierten ist auf 38.5 Prozent gestiegen. Das sind 17.5 Prozentpunkte mehr als noch 2009. Bei jungen Erwachsenen ist dies jede zweite Person, bei über 50-Jährigen jede vierte. 19- bis 24-Jährige nutzen Nachrichten nur 7 Minuten pro Tag über ihr Smartphone, welches ihr Hauptkanal für Informationszwecke ist.

News-Deprivierte beteiligen sich weniger am demokratischen Prozess, haben ein geringeres Interesse an der Politik und vertrauen politischen Institutionen weniger. Sie lassen sich situativ für Abstimmungen mobilisieren (6 von 10 Abstimmungen). Dabei fällt auf: Von allen Typen von News-Nutzerinnen und -Nutzern vertrauen sie der Regierung am wenigsten. Sie haben im Februar 2022 am häufigsten gegen den Bundesrat und das Parlament – das Establishment – gestimmt. Es zeigt sich aber auch, dass das Interesse an Politik mit einer divergierenden News-Nutzung korreliert: Wer grundsätzlich an Politik interessiert ist, nutzt verschiedene Quellen, um sich zu informieren.

Eine Mobile-Tracking Studie bei jungen Erwachsenen zwischen 19 und 24 Jahren zeigt: Bei der Intensität des News-Konsums ist irrelevant, ob die Nutzenden Social Media konsumieren. Hier zeigen sich Chancen für die Markenbindung auf. Wer aber überwiegend auf sozialen Medien unterwegs ist, nutzt häufiger verschiedene News-Quellen. Das lässt auf eine tiefere Bindung an spezifische Journalismus-Marken vermuten.

Als einer der Lösungsansätze wird zu einem positiven Diskurs über die Leistungen des professionellen Journalismus aufgerufen. Lesen Sie dazu Wir müssen reden, von Stefan Wabel, Geschäftsführer des VSM.

Auch Sensibilisierung und Aufklärungsarbeit in Schulen ist gefordert – und zwar dringend. Hier setzt der VSM mit seinen Medienkompetenzprojekten an. Das Kapitel “Journalismus in einer Demokratie” in unserem kostenlosen Online-Lehrmittel für Schulen “Was lese ich – Journalismus verstehen?” zeigt auf, wie demokratie- und gesellschaftsrelevant Journalismus ist.

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