Vertrauen durch Verantwortung – Schweizer Medienbranche lanciert gemeinsamen KI-Kodex
Anlässlich des heutigen Swiss Media Forums wird der KI-Kodex der Schweizer Medienbranche vorgestellt. Dieser schafft gemeinsame Grundsätze für den verantwortungsvollen Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Schweizer Publizistik. Zahlreiche Medienverbände und -unternehmen unterstützen die Selbstregulierung, darunter SRG SSR, Keystone-SDA sowie der Verlegerverband SCHWEIZER MEDIEN. Des Weiteren will die WEMF ein AI-Audit und -Label lancieren.
«Vertrauen ist das höchste Gut der Medien», sagt Andrea Masüger, Präsident des Verlegerverbands SCHWEIZER MEDIEN (VSM). «Die rasante Entwicklung von KI stellt die Medienbranche vor grosse Herausforderungen und eröffnet zugleich Chancen. Um das Vertrauen zu sichern und zu stärken, haben die Schweizer Medienunternehmen gemeinsam einen branchenweiten KI-Kodex erarbeitet.»
Der KI-Kodex ist als lebendiges Dokument konzipiert und soll periodisch sowie bei veränderten Rahmenbedingungen angepasst werden können. Pia Guggenbühl, Direktorin des VSM unterstreicht: «Die Energie und Bereitschaft der Branche für eine gemeinsame Lösung illustriert: Das Thema beschäftigt sehr. Dass der nun vorliegende KI-Kodex so breit abgestützt ist, zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.»
Breit getragener Branchenkodex
Der KI-Kodex der Schweizer Medienbranche wird von einer breiten Allianz von Verbänden und Unternehmen mitgetragen. Zentrale Unterstützer sind der Verlegerverband SCHWEIZER MEDIEN, Médias Suisses, Media Svizzeri, SRG SSR, Keystone SDA, der Verband Schweizer Privatradios VSP, der Verband Schweizer Privatfernsehen VSPF sowie der Verband der Schweizer Regionalfernsehen Telesuisse. Das MAZ. Institut für Journalismus und Kommunikation. begrüsst das Vorhaben.
Der Kodex orientiert sich als Selbstregulierungsinstrument an der Konvention des Europarats zur Künstlichen Intelligenz, die der Bundesrat ratifizieren will. Mit dem Kodex bleiben Medienunternehmen und ihre Mitarbeitenden weiterhin stets verantwortlich für veröffentlichte redaktionelle Inhalte – unabhängig davon, ob diese von Menschen erstellt oder mit Hilfe von KI-Systemen generiert, bearbeitet oder distribuiert wurden.
Der KI-Kodex gilt für den Einsatz von KI-Systemen von Medienunternehmen, die publizistische Inhalte nach journalistischen Grundsätzen herstellen, verlegen, ausstrahlen oder sonstwie vertreiben, soweit der Einsatz direkten Einfluss auf die öffentlich wahrnehmbare Publizistik hat. Dieser Grundsatz ist das Herzstück des Kodex.
Vier Grundsätze und klare Kennzeichnungspflichten
SRG-Generaldirektorin Susanne Wille hält fest: «Es ist entscheidend, dass sich die Menschen in der Schweiz auf die Schweizer Medien verlassen können. Mit dem KI-Kodex schaffen wir die gemeinsame Basis, damit der Einsatz von künstlicher Intelligenz transparent und nachvollziehbar bleibt.»
Hanspeter Kellermüller, CEO von Keystone-SDA erläutert: «Der KI-Kodex stützt sich auf vier Grundsätze: Anwenderkenntnisse, Schutz demokratischer Prozesse, Datenschutz und Transparenz. All dies schafft Vertrauen im Kommunikationsmarkt.» Zudem gelten mit dem KI-Kodex verbindliche Kennzeichnungspflichten.
Zweistufiges Betriebsmodell mit unabhängiger Ombudsstelle
Zur Sicherstellung der Umsetzung ist ein zweistufiger Melde- und Prüfmechanismus angedacht: KI-Meldestellen auf Unternehmensebene funktionieren als erste Instanz für Fragen oder Beschwerden, eine unabhängige KI-Ombudsstelle als zweite Instanz für schwerwiegende oder nicht einvernehmlich gelöste Fälle. Die Ombudsstelle veröffentlicht jährlich einen Transparenz- und Umsetzungsbericht.
Der KI-Kodex legt bewusst gemeinsame Grundsätze fest und schafft damit eine tragfähige Basis für die gesamte Branche. Als nächstes sollen diese verfeinert und die Arbeiten für die konkrete Umsetzung an die Hand genommen werden. Allen Akteuren der Medienbranche steht eine Teilnahme am KI-Kodex grundsätzlich offen. Die verschiedenen Mediengattungen und Formate sollen bei der weiteren Konkretisierung spezifisch berücksichtigt werden.
AI-Audit und AI-Qualitätslabel der WEMF
Zudem hat die unabhängige Audit- und Forschungsorganisation WEMF mit dem Responsible AI-Audit eine neue Zertifizierung und ein Qualitätslabel entwickelt, das allen Medien in der Schweiz offensteht. Ihren verantwortungsvollen Umgang mit KI können die Medienhäuser durch die jährliche Auditierung kontinuierlich verbessern und gegenüber dem Publikum sowie den Marktpartnern mit Zertifikat und Label auch klar belegen. Die WEMF wird in den nächsten Wochen detaillierter zu dieser neuen Branchenlösung informieren.
Link zu den Dokumenten:
KI-Kodex
KI-Betriebsmodell
Kontakt:
Pia Guggenbühl, VSM, E-Mail anzeigen, +41 79 566 60 10
Sven Ruoss, KI-Experte, E-Mail anzeigen, +41 78 824 74 08